Fortsetzung der Geschichte:1935-1937

Es war doch eine Frechheit , dass es einer wagen konnte , den Verein mit folgenden Beschimpfungen zu belegen : „Sufclub und Saucheibe" . Das konnte und das durfte man nicht auf dem Verein sitzenlassen . Es wurde daraufhin Kriegsrad gehalten , wie der Sünder zu bestrafen sei . Das Ergebnis dieser Beratung war: 1.Man solle den Fehlbaren mit einer Busse von 20 Franken bestrafen . 2. Er müsse eine Erklärung abgeben , worin er die Anschuldigungen zurücknehmen musste , ansonsten er mit einer Anzeige rechnen müsse . Der Betreffende war mit diesen Punkten einverstanden und gab eine Erklärung mit folgendem Wortlaut ab : „Unterzeichneter erklärt hiermit , dass er am 23.Juli 1934 , als sein Sohn zum wiederholten Male am Montag „Blauen" machte , und er beim Wirt nachfragte , ob sein Sohn dort sei , in der Aufregung und im Zorn über das Verhalten seines Sohnes soll gesagt haben , der Velo-Club sei ein „Sufclub und Saucheibe". Die ehrverletzenden Aussagen widerrufe er und anerkenne und respektiere die Mitglieder des Velo-Clubs als ehrenwerte Mitglieder und Bürger". Nach dieser Erklärung wurde nun dieser Fall als abgeschlossen betrachtet .

Bei der Erneuerung der Statuten wurde der Vereinsaustritt neu geregelt . Nach dieser Neuerung war es nicht mehr möglich , wie bisher jederzeit aus dem Verein auszutreten , sondern nur noch auf Ende des laufenden Vereinsjahres . Auch mit dem SRB war man hie und da nicht einer Meinung . Zum Beispiel hätte der Verein die Streckensicherung der MvZ von Fisibach bis Weiach übernehmen sollen . Damit war man aber gar nicht einverstanden und der Vorstand wurde deshalb beauftragt , mit dem SRB Rücksprache zu nehmen . Der Verdienst an einem Programm war immerhin 20 Rappen . Deshalb konnte man die Einwände gut verstehen . Dieser Rücksprache war dann Erfolg beschieden , der sich in dem neuen Streckendienst Dorfausgang Siglistorf bis Kaiserstuhl zeigte .

Werfen wir nun mal einen Blick auf die Inventarliste von 1936 des VMC Fisibach . Danach betrug die ganze Habe :

Drei Lorbeer-Kränze 1921 , 1923 und 1934 ; zwei Silber-Becher 1921 und 1934; ein Horn ; ein Radfahrer-Horn def.; zwei Radsport-Illustrierte 1926 und 1927 ; ein Buch „Die Olympischen Spiele Paris 1924"; ein Buch „Die schweizerischen Alpenstrassen" von Dr. TH. Grubler ; und drei Diplome 1921,1923 und 1934 .

Das eigentliche Sorgenkind des Fahrwartes war das Tourenfahren , was sich eigentlich bis zur heutigen Zeit nicht geändert hat . Um die Teilnahme am Tourenfahren etwas schmackhafter zu machen , verfiel man auf die Idee , dem Ersten eine Prämie zu zahlen . Die Prämien waren wie folgt angesetzt : Dem Ersten 4.- Franken , dem Zweiten 3.- Franken, dem Dritten 2.- Franken und dem Vierten 1.- Franken . Bei einer dieser Ausfahrten erlitt ein Mitglied einen Defekt an seinem vorderen Velorad , das im Kosten von 10.- Franken bescherte . Aus kollegialen Gründen wurde nun ihm die Hälfte der Reparaturkosten von den Mitgliedern bezahlt , was für jeden einen Betrag von 30 Rappen ausmachte . Über das Wochenende hatte man damals noch Zeit und Musse , an einem Samstag oder Sonntag eine Versammlung abzuhalten . In der heutigen Zeit wird gerne darüber gelächelt und mit der Bemerkung abgetan : Der Stress und die Hektik seien nicht so gross gewesen und auch die Möglichkeiten mit dem Auto übers Wochenende irgendwo hinzufahren habe es noch nicht gegeben . Oder ist der Grund an einem anderen Ort zu suchen ? Lag es vielleicht daran , dass trotz mancher Unstimmigkeit das Zusammengehörigkeitsgefühl stärker war als heute ? Vielleicht lag es auch daran , dass hie und da ein Mitglied wegen Desinteresse am Vereinsleben oder Zuwiderhandlung bestehender Regeln aus dem Verein ausgeschlossen wurde . Es war jedoch auch das Gegenteil der Fall . Hatte nämlich eine Person Interesse in den Verein einzutreten , hiess das noch lange nicht , dass er auch aufgenommen wurde . Es gibt jetzt vielleicht den einen oder andern , der sich sagt : Kein Wunder , musste der Verein immer und immer wieder gegen den Zerfall ankämpfen , bei solchen Methoden . Aber seien wir doch ehrlich : Ist es nicht schöner mit Mitgliedern zu arbeiten , die auch aktiv mitmachen .

Nun wenden wir uns einem anderen Thema zu , den Frauen . 1937 durften nämlich zum ersten Mal auch die Frauen und Mädchen an einem Hock teilnehmen . Für ihr gezeigtes Verständnis und ihren Goodwill dem Verein gegenüber wurde ihnen ein Essen offeriert. Es bestand aus Bratwurst und Rösti und konnte zu einem Preis von 1.30 Franken pro Person erstanden werden . Die Männer entschieden sich zu Blut- oder Leberwurst mit Rösti zu einem Preis von 1.- Franken pro Person . Auch für den Durst war gesorgt , standen doch immerhin 20 Liter Weisswein zur Verfügung . Der Abend konnte dank einer kleinen Unterhaltung sehr fröhlich gestaltet werden , so dass man sehr zufrieden den Heimweg unter die Füsse nehmen konnte .

PS

SRB = schweizerischer Rad-und Motorfahrer Bund

MvZ = Meisterschaft von Zürich

 

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