Aus den Gründungsjahren des Velo- und Motoclubs Fisibach 1920-1922

              Anfangs der zwanziger Jahre huldigte man immer mehr dem Sport des Velofahrens.

Dies fand darin seinen Niederschlag, dass immer mehr Velo-Clubs gegründet wurden. Es setzte sich auch in unserer Gemeinde die Idee fest, einen solchen zu gründen. Es wurde eine Werbeliste in der Gemeinde in Umlauf gebracht, um sich ein Bild darüber machen zu können, ob es sich lohnen würde, auch an die Gründung eines Velo-Clubs heranzutreten. Nach Ablauf der Meldefrist konnte festgestellt werden, dass das Interesse überaus gross war und die Erwartungen bei weitem übertrafen.

Am 10.Juli 1920 fand man sich zur Gründungsversammlung zusammen. Nach ausführlicher Orientierung über Zweck und Pflichten eines Vereins durch den damaligen Kollegen Gustav Zimmermann, Mitglied des Velo-Clubs Rekingen, schritt man zur Wahl des Vorstandes. Er setzte sich wie folgt zusammen: Präsident A.Weibel; Aktuar Gustav Zimmermann-Baumgartner; Kassier und Fahrwart Gustav Zimmermann.

Der Vorstand meldete den Verein unverzüglich beim Schweiz.Radfahrerbund als Mitglied an. Die Kosten eines Mitgliedes der damaligen Zeit setzten sich wie folgt zusammen: SRB-Karte Fr. 3.- , Monatsbeitrag Fr. -.50 , Eintrittsgeld Fr. 1.- .Wollte ein Mitglied den Verein verlassen, musste es Fr. 5.- Austrittsgeld bezahlen.

Die erste Ausfahrt sollte am 1.August 1920 nach Seon an die Fahnenweihe stattfinden. Sie musste aber infolge der Maul-und Klauenseuche in Seon auf das Frühjahr verschoben werden.

An der Versammlung vom 21.August 1920 wurden nachstehende Beschlüsse gefasst.

 

  1. Um den Besuch der Versammlungen zu aktivieren, ist jedem Mitglied, das unentschuldigt fernbleibt, eine Busse von Fr. -.50 zu verlangen.
  2. Sollten bei einer Ausfahrt einige Mitglieder eigenmächtig zurückbleiben oder sich sonst nicht fügen, solle man diejenigen mit einer Busse von Fr. 3.- - 5.- bestrafen.

Am 15.Dezember 1920 wurde der Kauf eines Velo-Pneus als Ehrengabe anlässlich des Gruempelschiessens der hiesigen Schuetzengesellschaft beschlossen. Um jedoch einen solchen Kauf tätigen zu können, musste jedes Mitglied einen Obolus von Fr. 1.- entrichten und der Rest wurde dann von der Vereinskasse beglichen.

Die Jahresrechnung 1920 schloss mit einem Überschuss von Fr. 25.- ab, standen sich doch Fr. 272.50 Einnahmen und Fr. 247.50 Ausgaben gegenüber.

1921 nahm man das erstmals am Tourenfahrern des SRB teil und bekam dafür als Auszeichnung einen Becher, ein Diplom und einen silbernen Kranz. Diese Auszeichnung wurde natürlich gebührend eingeweiht und so wurde beschlossen, dass aus der Vereinskasse ein Fass Bier bezahlt werden soll. Es gab damals zwei Kategorien Mitglieder im Verein, und zwar Aktive und Passivbund der einen Jahresbeitrag von Fr. 3.- bezahlte.

Auf einer Wanderfahrt nach Moesburg gab es zum ersten Mal Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Fahrwart und den Teilnehmern. Die Folge davon war ein Wechsel des Fahrwarts. Auch an der Spitze des Vereins gab es einen Wechsel. Anstelle des zurückgetretenen Präsidenten A.Weibel übernahm sein Nachfolger Adolf Bucher das Amt.

Am 1.Juli 1922 plante man eine zweitägige Ausfahrt mit folgender Streckenführung:

Waldshut, St.Blasien, Titisee, nach Freiburg im Breisgau. 2.Tag: Rückfahrt über Basel, Koblenz, und zurück nach Fisibach. Nach Erkundigungen des Vorstandes beim SRB-Buero sowie beim Deutschen Konsulat in Basel und beim Bezirksamt in Zurzach in Sachen Kollektivpass ergab sich folgender Sachverhalt: Da eine solche Ausfahrt die finanziellen Mittel eines jeden Mitgliedes sehr stark beanspruchen würde, kam man zu dem Entschluss, diese Ausfahrt fallen zu lassen und dafür die wesentlich preiswertere Route über den Klausenpass zu wählen.

An einer Vorstandssitzung vom 20.September 1922 kam die Rede zum ersten Mal auf das Thema "Clubrennen", dabei wurde sogleich ein Programm mit dem originellen Wortlaut ausgearbeitet:

  1. Beginn des Rennens um 11.30 Uhr mittags.
  2. Strecke: Schulhaus, Wegweiser, Kaiserstuhl, Muehlefeld, Bauernmuehle.
  3. Die Messung der Strecke ergab eine Länge von ca. 2,2 km.
  4. Einzelstarts alle 30 Sekunden.
  5. Es können auch Passivmitglieder daran teilnehmen.
  6. Die Teilnahme ist aber für Aktive obligatorisch.

Jeder Fahrende hat eine Gabe im Wert von mindestens Fr.5.- zu spenden. Langsamfahren offen für jedermann (sprich Geschicklichkeitsfahren). Abends um 19.30 Uhr Lampionfahrt durchs Dorf.

Als Anhaltspunkte noch ein paar Preisbeispiele der damaligen Zeit:

 

Pro Tag wurden folgende Löhne bezahlt:

Knecht Fr.1.00

Zimmermann Fr.2.40

Maurer Fr. 2.60

1kg Brot Fr.-.60 / 1 Flasche Bier Fr.-.20 / 1 Liter Milch Fr.-.20 / 500gr. Kalbfleisch Fr.-.60 / 1 Tageszeitung Fr.-.05 / 1 Paar Schuhe Fr.-.4.50 / 1 Herrenanzug Fr.15.00 / 1 Filmkamera Fr. 100.-

 

 

Hanspeter Schuetz